Wie alles begann...


Aufgewachsen bin ich am schönen Zugersee. Schon als Kind spielte ich gerne "Schüelerlis". Aber da war auch der Wunsch zu reisen, andere Kulturen zu entdecken und fremde Sprachen zu hören. Also machte ich eine Ausbildung in der Reisebranche. Erste Studien- und Privatreisen folgten. Ich war schon immer eine Leseratte. Es war toll, Schauplätze aus den Büchern in "natura" zu sehen. Um mein Englisch zu verbessern, lebte ich ein paar Monate in London. Eine spannende Zeit. Ich lernte, mich in einer Grossstadt zurecht zu finden, begegnete Mitschülern aus verschiedenen Ländern. Die Gespräche erweiterten meinen Horizont und weckten die Neugier auf andere Religionen und die Geschichte der Länder. Zurück in der Schweiz plante ich meinen nächsten Sprachaufenthalt.

 

Es kam anders. Mein neues Zuhause wurde St. Gallen. Ich heiratete und wurde Mutter von zwei Kindern. Sie waren das schönste Geschenk, das ich je erhalten habe. Mein Leben änderte sich, sie waren nun das Wichtigste. Auf der Suche nach einer Einkommensquelle bot sich mir die Gelegenheit, zuhause Nachhilfe-Unterricht zu erteilen. Mein neuer Beruf bereitet mir auch heute noch viel Freude. Die Kinder lernen nicht nur bei mir, sie erzählen auch aus ihrem Leben. Einige der Mütter sind heute meine Freundinnen.

 

Manchmal ist die Verständigung etwas schwierig. Darum biete ich ihnen an, bei mir Deutsch zu lernen.

 

Vor ein Paar Jahren ging es mir nicht gut. Durch Zufall ging ich an der Boutique Tonja in St. Gallen vorbei. Eine Frau hängte eine Jacke ins Schaufenster. Mein Gedanke: "Warum lisme ich eigentlich nicht wieder?" Lange Zeit hatte ich keine Zeit mehr für mein früheres Hobby gehabt. Susanne, die zu einer lieben Freundin geworden ist, bestellte das Material. Das Stricken tat mir gut. Mit Begeisterung begann ich wieder, Pullis und Jacken zu stricken. In der Boutique Tonja entdecke ich immer wieder wunderschöne Wolle und Garne. Leider sind sie sehr kostspielig. Könnte ich meine Lieblingsmodelle mit Strickaufträgen finanzieren?

 

Die ersten Schals entstanden. Elke Hegemann fotografierte sie und half mir, meine eigene Website zu gestalten. Eine neue Herausforderung für mich. Endlich war alles bereit. Noch wusste niemand, dass sich ein Virus daran machte, die ganze Welt vor ungeahnte Probleme zu stellen.

 

Covid 19 erwischte auch mich. Gesundheitlich bin ich bis jetzt glücklicherweise verschont geblieben, doch meine Arbeit wurde erschwert. Die Schulen schlossen, der Unterricht wurde aufwändig. Mein Strickatelier kompensierte die Einkommenseinbussen.

 

Plötzlich hatte ich mehr Freizeit. Beim Stöbern im Internet fand ich spannende Webseiten. Neue Ideen entstanden. Unterdessen habe ich meine Webseite erweitert. Ich hoffe, sie gefällt Ihnen. 

 

Leider erreichen uns täglich schlimme Nachrichten aus aller Welt. Ich betrachte die schrecklichen Bilder aus der Ukraine. Schon wieder werden Menschen umgebracht, verletzt und in die Flucht getrieben. Eine weitere Flüchtlingswelle kommt auf uns zu. Ich habe schon viele Kinder mit traumatischen Erlebnissen betreut. Bestimmt werden auch ukrainische Kinder und deren Eltern zu mir kommen. Ich werde ihnen helfen Deutsch zu lernen und sich bei uns wohl zu fühlen.

 

Haben wir doch voller Zuversicht gehofft, dass die schwierige Corona-Zeit bald hinter uns liegt.....

 

Nur gemeinsam können wir die heutigen und zukünftigen Probleme lösen. Ist es wirklich so naiv zu glauben, dass es möglich ist?

 

Nächsten Monat erhalte ich zum ersten Mal die AHV. Da ich mein eigenes Geschäft habe, werde ich aber weiter arbeiten.

 

Ich schreibe diese Zeilen an einem Frühlingstag im März 2022. Meine Gefühle sind zwiespältig. Einerseits freue ich mich, dass es mir und meiner Familie gut geht, gleichzeitig denke ich an die vielen Familien, die jetzt viel Leid erfahren.